Das Letzte Paar Mutter Schuhe

Am Rande des Dorfes, in einer halb verfallenen Hütte, lebten drei kleine Kinder – Ani, Tigran und Aren – zusammen mit ihrer Mutter Sona. Sona erzog ihre Kinder viele Jahre lang ganz allein. Jeden Morgen wachte sie sehr früh auf, wusch ihre abgenutzten Kleider und bereitete Brot und Joghurt zu – das Einzige, was sie hatten.

Sona arbeitete in der Nähe der Höhlen, wo sie Steine sammelte, um sie zu verkaufen. Im kalten Winter platzte ihre Haut vor Kälte auf, aber sie beklagte sich nie. Sie sagte immer:

„Wärme kommt aus der Seele, nicht vom Mantel.“

Eines Tages, als der erste Schnee fiel, waren Tigrans Schuhe völlig zerfallen. Der Junge weinte:„Mama, in der Schule lachen alle über mich, weil ich keine Schuhe habe.“

Sona umarmte ihren Sohn liebevoll:„Mein Held ist auch barfuß warm, weil die Liebe seiner Mutter ihn wärmt.“

Doch als alle schliefen, begann Sona leise zu weinen.
Sie öffnete den alten Schrank und holte ihr einziges, noch gutes Paar Schuhe heraus.

Am nächsten Morgen begleitete Sona Tigran barfuß zur Schule – seine alten, zerrissenen Schuhe waren durch neue ersetzt worden.
Die Kinder wussten nicht, dass es das letzte Paar Schuhe ihrer Mutter gewesen war.

In den folgenden Tagen begann Sona zu husten. Ohne Schuhe, draußen in der Kälte, wurde sie krank.
Als der Arzt endlich kam, war es bereits zu spät.

Sie hinterließ ihren Kindern einen Brief:

„Wenn ich euch etwas gegeben habe, waren es nicht nur meine Schuhe.

Ich habe euch mein Herz gegeben.
Jeden Tag, mit jedem Schritt – erinnert euch:
Eine Mutter braucht keine Schuhe, doch sie bringt euch bis ans Ende der Welt.“

Einige Jahre später wurde Tigran Arzt, Ani Lehrerin und Aren Schriftsteller.
Auf der ersten Seite seines ersten Buches schrieb er:„Für meine Mutter, die mir Schuhe gab –

und dabei ihre Seele.“