Nach der Beerdigung ihrer Mutter kam Anna ins Krankenhaus, um deren Sachen abzuholen. Als die Krankenschwester ihr die Kleidung ihrer Mutter reichte, fiel ein Zettel aus deren Blusentasche.
Anna faltete das Papier auseinander, erkannte sofort die Handschrift ihrer Mutter und war beim Lesen entsetzt.
Nach der Beerdigung kehrte Anna ins Krankenhaus zurück, um die Sachen ihrer Mutter abzuholen. Sie hatte es bis zum letzten Moment hinausgezögert, aber sie wusste, dass sie nicht länger warten konnte. Fünf Tage waren seit der Beerdigung vergangen, und doch war der Schmerz noch immer genauso frisch. Sie fühlte eine ständige Schwere in der Brust, hatte Atembeschwerden und war völlig desorientiert.
Nach der Beerdigung ihrer Mutter kam Anna ins Krankenhaus, um deren Sachen abzuholen. Als die Krankenschwester ihr die Kleidung ihrer Mutter reichte, fiel ein Zettel aus deren Blusentasche.
Anna stand im Krankenhausflur und umklammerte eine einfache Plastiktüte. In der Tüte befand sich alles, was nach den monatelangen Behandlungen von ihrer Mutter übrig geblieben war. Für Außenstehende waren es nur Gegenstände, doch für sie waren sie ihr ganzes Leben.

Eine Krankenschwester der Onkologiestation, eine korpulente Frau mit müden Augen, sah Anna mit aufrichtigem Mitgefühl an und sagte ihr sanft, dass auch ein Bademantel und Hausschuhe auf dem Nachttisch lägen. Sie fügte hinzu, dass ihre Mutter sehr geduldig und gütig gewesen sei und dass deshalb alle, die sie betreut hatten, sie liebten.
Anna nickte stumm. Sie hatte Angst zu sprechen, denn das kleinste Wort könnte sie zum Weinen bringen. Noch vor Kurzem war ihre Mutter da gewesen, hatte gescherzt, versucht, sie zu stützen, Zukunftspläne geschmiedet und ihr versichert, dass alles gut werden würde. Aber sie hatte das Krankenhaus nicht verlassen.
Zuhause stellte Anna die Tasche auf den Küchentisch und starrte sie lange an. Sie brachte es nicht übers Herz, den Knoten zu lösen, denn sie wusste, dass es kein Zurück mehr gab, sobald er einmal geknotet war. Die Gegenstände rochen nach ihrer Mutter, ihrem Zuhause, ihrem Leben.
Anna sammelte ihre Kräfte und begann vorsichtig den Inhalt der Tasche auszupacken. Ihr Lieblingsmorgenmantel, ihr blauer Morgenmantel, ihre bestickten Pantoffeln und der Gedichtband, den ihre Mutter in den letzten Wochen immer wieder gelesen hatte, lagen alle an ihrem Platz, genau so, wie sie es mochte.
Als Anna ihren Morgenmantel zum Zusammenlegen hochzog, fiel plötzlich ein gefaltetes Stück Papier aus ihrer Brusttasche. Es kam ihr seltsam vor, denn ihre Mutter war immer so ordentlich und ließ nie etwas in ihren Taschen herumliegen.
Anna entfaltete den Zettel langsam. Die Handschrift war ihr vertraut, so lieb, dass ihr das Herz in die Hose rutschte. Sie begann zu lesen – und war augenblicklich wie gelähmt von dem, was auf dem Papier stand. Fortsetzung im ersten Kommentar
Anna las den Brief, ihre Finger wurden mit jeder Zeile taub.
„Wenn du diesen Brief in Händen hältst, bedeutet das, dass ich dir zu Lebzeiten nie die Wahrheit sagen konnte. Ich habe mich jeden Tag darauf vorbereitet, jeden Tag habe ich mir gesagt, dass ich es dir morgen sagen würde, aber ich hatte immer Angst, dich zu verlieren.“
Nach der Beerdigung ihrer Mutter ging Anna ins Krankenhaus, um deren Sachen abzuholen. Als die Krankenschwester ihr die Kleidung ihrer Mutter reichte, fiel plötzlich ein Zettel aus ihrer Blusentasche.
Anna sank in einen Stuhl und las weiter, ihr Herz hämmerte.
„Du wurdest nicht geboren, meine Tochter, aber vom ersten Tag an warst du da. Ich habe dich nicht zufällig oder aus Pflichtgefühl gewählt. Ich habe dich von ganzem Herzen gewählt.“ Ich hielt dich in meinen Armen und merkte, dass ich ohne dich nicht atmen konnte.
Die Buchstaben verschwammen vor ihren Augen, aber Anna zwang sich, weiterzulesen.
„Ich hatte Angst, die Wahrheit würde dich verletzen, deshalb habe ich geschwiegen. Aber wisse: Kein einziger Tag meines Lebens war kostbarer als die, die ich mit dir verbracht habe. Du bist das Schönste, was mir je passiert ist.“
Am Ende des Briefes schien ihre Mutter zu spüren, dass Anna gleich in Tränen ausbrechen würde.
„Wenn du dich jetzt allein fühlst, irrst du dich. Ich war immer deine Mutter und werde es immer sein. Nicht durch Blut, sondern aus Liebe. Und wenn ich mich noch einmal entscheiden müsste, würde ich dich wieder wählen.“
Anna drückte den Brief an ihre Brust und ließ zum ersten Mal seit der Beerdigung ihren Tränen freien Lauf. Sie verstand nun, dass sie ihre Mutter verloren hatte, aber niemals die Liebe, die sie ihr ganzes Leben lang begleitet hatte.