Ich stemme den ganzen Haushalt, die Kinder und die Arbeit, und du kommandierst nur herum!
— Warum hast du Joghurt mit Kirsche genommen?
Ich habe doch in aller Deutlichkeit gesagt: nur natur, ohne Zucker.
Oder hast du Probleme damit, Informationen richtig aufzunehmen?
Roman hielt den Plastikbecher mit zwei Fingern, als wäre es eine tote Maus, die die Katze auf den Teppich geschleppt hatte, und betrachtete mit Ekel das grelle Etikett.
Er saß am Kopf des Tisches und hatte den Teller mit dem halbfertig gegessenen Ragout von sich weggeschoben.
Jekaterina stand mit dem Rücken zu ihm am Spülbecken und schrubbte mit der rauen Seite des Schwamms verbissen eine Pfanne.
Das Rauschen des Wassers übertönte einen Teil seiner Worte, aber den Tonfall ihres Mannes erkannte sie fehlerlos — diesen ruhigen, zähen, von Gift durchtränkten Ton hatte sie in den letzten fünf Jahren jeden Abend gehört.
Es war der Ton eines Lehrers, der einen unfähigen Sitzenbleiber zusammenstaucht.
— Es gab von der Sorte, die du magst, keinen Naturjoghurt, — antwortete sie, ohne sich umzudrehen, und spürte, wie das heiße Wasser die Haut an ihren Händen rötete.
— Ich habe den genommen, der frisch war.
Die Kinder mögen Kirsche, sie essen ihn schon auf, wenn du es nicht tust.
— Die Kinder, — äffte Roman nach und schleuderte den Becher auf den Tisch, sodass er über die Platte rollte und gegen den hölzernen Brotkasten stieß.
— Was haben denn die Kinder damit zu tun?
Ich habe darum für mich gebeten.
Ich verdiene das Geld, von dem wir hier alle essen, und ich habe wohl das Recht, genau das zu bekommen, was ich bestellt habe.
Oder ist das zu kompliziert für dein Verständnis?
In den Laden zu gehen und einfach nach Liste einzukaufen, ohne Eigeninitiative?
Jekaterina drehte das Wasser ab.
In der Küche wurde es still, nur der alte Kühlschrankkompressor brummte angestrengt, und die Uhr über der Tür tickte und maß die Sekunden ihrer Geduld.
Sie trocknete sich die Hände an der Schürze ab und drehte sich langsam um.
Roman sah sie mit genau dem Gesichtsausdruck an, mit dem man ein schlecht geputztes Fenster betrachtet — eine Mischung aus Langeweile, Gereiztheit und leichtem Ekel.
Er trug ein T-Shirt für zu Hause, schaffte es aber selbst darin, wie ein Bankdirektor auszusehen, der eine unangenehme Besprechung über Personalabbau leitet.
— Rom, ich war in drei Geschäften, — sagte sie mit dumpfer, müder Stimme und versuchte, ihm nicht in die Augen zu sehen, sondern den Blick auf seine Nasenwurzel zu richten.
— Nach der Arbeit.
Mit zwei schweren Taschen.
Ich habe es einfach körperlich nicht geschafft, noch deinen besonderen griechischen Joghurt zu finden.
Iss diesen hier oder iss gar keinen.
Am Ende ist es nur Essen.
Roman grinste.
Ein Mundwinkel zuckte nach oben, aber seine Augen blieben kalt wie Eis in einem Whiskyglas.
Er lehnte sich lässig in seinem Stuhl zurück und verschränkte die Arme vor der Brust.
Diese Geste kannte Jekaterina auswendig.
Sie bedeutete den Beginn seines Lieblingsspiels namens „Abendliches Audit“.
— „Schwere Taschen“, „nach der Arbeit“, — wiederholte er langsam und gedehnt, als würde er die Worte auf der Zunge schmecken und sie faul finden.
— Katja, lass uns wenigstens für eine Sekunde ehrlich sein.
Deine Arbeit besteht darin, in einem stickigen Büro Papierchen hin und her zu schieben, mit Kaffeepausen und Frauengeschwätz dazwischen.
Und schwere Taschen…
Na, dann schauen wir uns doch den Kassenbon an.
Wo ist er?
— Im Mülleimer, — log Jekaterina.
Sie wollte dieses Gespräch körperlich einfach nicht führen.
Sie wollte sich nur aufs Sofa fallen lassen und einen Punkt anstarren, bis ihr Gehirn abschaltete.
— Hol ihn raus, — befahl er kurz, wie einem Hund.
— Roma, hör auf.
Ich bin müde.
— Hol ihn raus, habe ich gesagt.
Ich will sehen, wofür die fünftausend draufgegangen sind, die ich dir heute Morgen überwiesen habe.
Denn im Kühlschrank sehe ich nur diesen chemischen Joghurt und ein Stück Käse, das aussieht wie Fensterkitt.
Mich interessiert, wo mein Budget geblieben ist.
Jekaterina biss die Zähne so fest zusammen, dass ihr die Wangenknochen schmerzten.
In ihr regte sich ein heißer, stachliger Klumpen Kränkung, aber wie immer schluckte sie ihn hinunter.
Sie ging zu dem Mülleimer unter der Spüle, beugte sich hinunter — im unteren Rücken schoss es verräterisch — und zog einen zerknüllten weißen Streifen heraus.

Mit zitternden Fingern strich sie ihn glatt und legte ihn schweigend vor ihren Mann auf den Tisch.
Roman strich den Bon angewidert mit der Handfläche glatt, zog sein teures Smartphone der neuesten Generation hervor und öffnete den Taschenrechner.
— Also…
Waschpulver.
Warum so teuer?
Es gibt doch Angebote.
Ich habe Werbung gesehen, man hätte es doppelt so billig bekommen können.
— Unser Jüngster bekommt von billigem Ausschlag, hast du das vergessen?
Darüber haben wir doch vor einem Monat gesprochen, als er überall Flecken bekam, — sagte Jekaterina mit trockener Stimme.
— Nicht vergessen.
Ich denke nur, dass seine Allergie oft eher deine Psychosomatik wegen eines Übermaßes an sinnloser Fürsorge ist.
Na gut, weiter.
Hähnchen, Gemüse…
Und was ist das?
„Feuchttücher, große Packung“?
Katja, wurde bei uns zu Hause das Wasser abgestellt?
Sind die Lappen ausgegangen?
Warum zweihundert Rubel für Einwegmüll ausgeben, der den Planeten verpestet?
— Damit ich den Kindern draußen die Hände abwischen kann.
Sie krabbeln in den Sandkasten und fassen Katzen an.
— Zu Hause kann man sie mit Wasser waschen.
Minus zweihundert Rubel in den Abfluss.
Weiter.
Kaffee…
Hast du dir Kaffee gekauft?
Er hob den Blick zu ihr.
Dieser Blick war durchdringend, abtastend und ließ keinen Ort zum Verstecken.
— Ja, habe ich.
Unserer war alle.
— Unserer war mein Bohnenkaffee.
Und du hast irgendeinen löslichen Mist gekauft, dem Preis nach zu urteilen.
Das trinke ich nicht, das ist Gesöff für Arme.
Das heißt, du hast ihn für dich gekauft.
Von meinem Geld.
— Ich wohne auch hier, Roma, — sagte Jekaterina leise und klammerte sich mit den Fingern an die Kante der Arbeitsplatte.
— Und ich arbeite auch.
Und ich möchte morgens ebenfalls Kaffee trinken.
— Du arbeitest, — er lachte kurz auf, doch seine Augen blieben leer.
— Lass uns deine Tätigkeit bitte nicht in Gegenwart von Menschen „Arbeit“ nennen, die wirklich schuften und ein Business aufbauen.
Dein Gehalt deckt mit viel Glück gerade mal deine Mittagessen in der Kantine und die Fahrt im Minibus.
Dieses ganze Haus, die Hypothek, das Essen, die Kleidung, der Sommerurlaub — das alles lastet auf mir.
Ich bin das Fundament.
Und du bist nur so etwas wie dekorativer Putz, der ständig Risse bekommt.
Und abbröckelt.
Er beugte sich wieder über den Bon und fuhr mit dem Finger über die Zeilen.
— So, und wo ist das Wechselgeld?
Hier steht als Endsumme viertausendzweihundert.
Ich habe dir fünftausend gegeben.
Wo sind die achthundert Rubel?
Jekaterina spürte, wie ihr Übelkeit in den Hals stieg.
Nicht vom Essen, sondern von der Erniedrigung.
Davon, wie er methodisch, wie ein Pathologe, ihr Selbstwertgefühl aufschlitzte.
— Ich habe das Ticket aufgeladen.
Und ich habe mir Nylonstrumpfhosen gekauft.
Sie sind heute bei der Arbeit gerissen, ich bin an einem Schrank hängen geblieben.
Roman hob langsam und theatralisch die Augenbrauen.
— Strumpfhosen?
Vom Lebensmittelgeld?
Katja, wir haben genehmigte Ausgabenkategorien.
Essen ist Essen.
Kleidung ist Kleidung.
Wenn du dein Budget nicht planen kannst, sollte ich vielleicht selbst einkaufen gehen?
Ach ja, ich habe ja keine Zeit, ich bin damit beschäftigt, dein sorgenfreies Leben zu finanzieren, während du dir die Strumpfhosen zerreißt.
Er schob den Bon mit dem kleinen Finger von sich, als wäre er ansteckend.
— Achthundert Rubel sind keine Kleinigkeit.
Das ist Geld.
Mein Geld.
Das ich mit meinem Kopf und meinen Nerven verdient habe, während du in sozialen Netzwerken herumsaßt.
Beim nächsten Mal stimmst du solche Ausgaben mit mir ab.
Es gefällt mir nicht, wenn meine Ressourcen im schwarzen Loch deiner Unwirtschaftlichkeit und deiner Unfähigkeit, ordentlich mit Sachen umzugehen, verschwinden.
— Ich bin nicht unwirtschaftlich, — presste sie durch die Zähne.
— Ich versuche nur, in diesem Irrenhaus zu überleben, in dem man um jeden Rubel betteln und ihn begründen muss.
— In diesem „Irrenhaus“? — Roman stand langsam auf.
Er war ein großer, kräftiger Mann, und in der kleinen Küche wurde es auf einmal katastrophal eng.
Er beugte sich über den Tisch und stützte sich mit den Fäusten darauf.
— Dieses „Irrenhaus“ ist eine Dreizimmerwohnung im Zentrum, die ich gekauft habe.
Das Essen, das du mit deiner Kocherei ruinierst, habe ich gekauft.
Du lebst hier im gemachten Nest, Katja.
Du musst nur Ordnung halten, essbar kochen und nicht verschwenderisch sein.
Und nicht mal das bekommst du hin.
Der Joghurt ist der falsche, das Wechselgeld ist verschwunden, das Essen ist fade.
Weißt du, für das Geld, das ich in den Unterhalt der Familie stecke, könnte man eine professionelle Haushaltshilfe einstellen.
Die würde wenigstens nicht zurückschnappen, wüsste ihren Platz und würde den Bon bis auf den Kopeken genau vorlegen.
Jekaterina starrte auf den fettigen Soßenfleck auf seinem Teller.
Plötzlich wollte sie diesen Teller nehmen und ihm mit Schwung über den Kopf ziehen.
Doch sie stand reglos da und umklammerte den Rand ihrer Schürze so fest, dass die Knöchel weiß wurden.
— Ich bin müde, Roma.
Ich bin um sieben nach Hause gekommen und habe mich sofort an den Herd gestellt.
Die Kinder haben die Hausaufgaben nicht gemacht, schreien herum, und du sitzt da und wartest auf persönlichen Service.
Ich bin kein Roboter, ich habe auch meine Grenzen.
— Sie ist müde, — schnaubte er verächtlich, richtete sich auf und ging ins Wohnzimmer.
— Wovon denn?
Davon, auf dem Bürostuhl geschniegelt zu sitzen?
Leg dich ruhig hin, du arme Leidende.
Aber räum vorher noch den Tisch ab.
Und mach mir Tee.
Ordentlichen, losen Tee, nicht den Staub in Beuteln, den du dir gekauft hast.
Und gieß ihn mir nicht in meine Tasse, nimm eine andere.
Ich mag es nicht, wenn man meine Sachen anfasst.
Er ging hinaus, ohne sich umzusehen, und ließ sie allein zwischen schmutzigem Geschirr, dem Geruch von abgekühltem Ragout und dem klebrigen Gefühl ihrer eigenen Wertlosigkeit.
Jekaterina sah auf den Bon, der wie ein Gerichtsurteil auf dem Tisch lag.
„Feuchttücher — 200 Rubel“.
Sie zerknüllte das Papier und warf es zurück in die Spüle, direkt ins schmutzige Wasser.
Sofort sog sich das Papier voll und verwandelte sich in einen grauen, formlosen Klumpen.
Genau so grau wie ihr Leben in diesem Haus.
Jekaterina trat ins Wohnzimmer und versuchte, geräuschlos zu gehen, obwohl in ihr alles brodelte wie ein vergessener Kessel auf dem Herd.
In den Händen hielt sie eine Tasse Tee — genau den losen, den er verlangt hatte, nach allen Regeln aufgebrüht, damit kein einziges Blatt auf der Oberfläche schwamm.
Roman saß in einem tiefen Sessel, hatte die Beine auf einen Hocker gestreckt und scrollte durch den Nachrichtenfeed auf seinem Tablet.
Das Licht der Stehlampe fiel auf sein Gesicht und machte seine Züge noch härter und kantiger.
Er drehte nicht einmal den Kopf, als seine Frau die Tasse auf den Couchtisch stellte.
— Rom, wir müssen noch etwas besprechen, — begann sie und spürte, wie ihre Stimme verräterisch versagte.
Sie musste die Worte buchstäblich aus sich herausdrücken und dabei ihre zähe Angst vor der nächsten Standpauke überwinden.
— Ich habe jetzt Erholungszeit, Katja, — warf er hin, ohne den Blick vom Bildschirm zu lösen.
— Ich habe den ganzen Tag Probleme globalen Ausmaßes gelöst, damit du ruhig in deiner kleinen Welt existieren kannst.
Kann das wirklich nicht bis morgen früh warten?
— Nein.
Nächste Woche sind minus zehn Grad angesagt.
Mischas Jacke ist zu klein, die Ärmel reichen nur bis zu den Ellbogen, und bei Lena ist der Reißverschluss endgültig kaputt, nicht mehr zu reparieren.
Sie brauchen Winterkleidung.
Roman senkte endlich das Tablet.
Er nahm die Brille ab, putzte sie langsam am Saum seines T-Shirts und sah seine Frau so an, als hätte sie ihm vorgeschlagen, bei Flut in den Bau von Sandburgen zu investieren.
— Und? — fragte er kurz.
— Was heißt „und“?
Man muss Geld dafür bereitstellen.
Ich habe mir die Preise angesehen, für beide zusammen brauchen wir ungefähr fünfzehntausend, wenn man nichts Teures nimmt, aber etwas Vernünftiges.
Roman lachte.
Es war ein kurzes, bellendes Lachen ohne jede Heiterkeit.
— Geld bereitstellen?
Katja, du hast anscheinend vergessen, dass es in unserer Familie zwei arbeitende Menschen gibt.
Formal jedenfalls.
Du hast dein Gehalt.
Die Karte, auf die dein Geld eingeht.
Nimm es also von dort.
Oder meinst du, deine Einkünfte seien dein persönlicher unantastbarer Notgroschen, und meine seien ein gemeinsamer Topf, aus dem man ohne Boden schöpfen kann?
Jekaterina holte krampfhaft Luft.
Dieses Argument tauchte jedes Mal auf, wenn es um größere Ausgaben ging.
— Roma, du kennst meine Buchhaltung doch ganz genau.
Mein Vorschuss ist für Nebenkosten draufgegangen — siebentausend, Internet, Schulessen und Hort.
Den Rest habe ich für den Logopäden von Mischa ausgegeben.
Ich habe jetzt noch dreihundert Rubel bis zum Gehalt auf der Karte.
— Logopäde, — verzog Roman das Gesicht, als hätte er Zahnschmerzen.
— Noch so eine Marotte.
Wenn du dich mit dem Kind zu Hause beschäftigen würdest, statt stumpf Serien zu glotzen, bräuchte es keinen Logopäden.
Du schiebst deine mütterlichen Pflichten einfach auf fremde Tanten ab — für mein Geld.
Oder für dein Geld, egal.
Im Grunde forme ja ich das Budget.
— Ich beschäftige mich mit ihm! — rief Jekaterina, verstummte aber sofort unter seinem schweren Blick.
— Ich mache jeden Abend mit ihnen die Hausaufgaben.
Aber ich bin keine Fachfrau.
Und mein Gehalt…
— Dein Gehalt ist zum Heulen, — unterbrach er sie hart und betonte jedes Wort.
— Nennen wir die Dinge doch beim Namen.
Das, was du ins Haus bringst, ist eine statistische Ungenauigkeit.
Davon reicht es nicht einmal für Benzin für mein Auto.
Du nennst das Arbeit?
Von neun bis sechs im Büro sitzen und Papierchen hin- und herschieben?
Das ist keine Arbeit, Katja.
Das ist ein Hobby für Versagerinnen, damit ihnen zu Hause nicht langweilig wird.
Eine Imitation geschäftigen Tuns.
— Ich arbeite als leitende Spezialistin in der Personalabteilung! — Jekaterinas Stimme zitterte vor Kränkung.
— Ich bin nicht weniger müde als du!
— Bring mich nicht zum Lachen, — Roman stand aus dem Sessel auf.
Nun ragte er über sie hinweg und erdrückte sie mit seiner Autorität und seiner körperlichen Masse.
— Du triffst keine Entscheidungen.
Du trägst keine Verantwortung.
Du riskierst nichts.
Du bist nur ein Rädchen, das man leicht austauschen kann.
Ich ernähre diese Familie.
Ich habe diese Wohnung gekauft.
Ich bezahle dein Essen, deine Lumpen, deine „Wünsche“.
Und dann kommst du und verlangst noch fünfzehntausend, weil du es nicht geschafft hast, von deinen Groschen Jacken für deine eigenen Kinder zurückzulegen?
— Ich habe nichts zurückgelegt, weil wir abgesprochen hatten: du zahlst die großen Anschaffungen, ich die laufenden Ausgaben!
— Abgesprochen? — Er trat ganz nah an sie heran und zwang sie, einen Schritt zurückzuweichen.
— Ich habe die Bedingungen des Vertrags überdacht.
Ich habe es satt, den Ballast allein zu schleppen.
Du parasitierst auf meinem Erfolg, Katja.
Du hast es dir bequem gemacht.
„Ich bin müde“, „ich habe gearbeitet“.
Und was ist zu Hause?
Auf den Knopf der Waschmaschine zu drücken — ist das Arbeit?
Die Lebensmittel in den Multikocher zu werfen — ist das eine Heldentat?
Millionen Frauen machen das und jammern nicht.
Du aber hast den Haushalt zum heroischen Epos erhoben.
Jekaterina spürte, wie in ihr etwas abriss.
Jedes seiner Worte war wie eine Ohrfeige.
Er entwertete alles: ihre schlaflosen Nächte, wenn die Kinder krank waren, ihr Rennen durch die Läden, das Putzen, Kochen, ihre Versuche, in diesem kalten, feindseligen Haus Gemütlichkeit zu bewahren.
— Ich bin kein Parasit, — flüsterte sie und sah ihm in die Augen, in denen kein Tropfen Mitgefühl lag.
— Ich bin deine Frau.
Wir sind eine Familie.
Oder bin ich für dich nur Dienstpersonal, das auch noch fürs Wohnen draufzahlen soll?
— Im Moment bist du ein unrentables Aktivum, — schnitt Roman kalt ab.
— Deine Effizienz strebt gegen null.
Du entwickelst dich nicht weiter, du baust ab.
Schau dir die Frauen meiner Geschäftspartner an — gepflegt, Fitness, eigenes Geschäft, die Augen leuchten.
Und du?
Immer dieses saure Gesicht, immer diese Vorwürfe, immer dieses „Gib mir Geld“.
Du bist zu einer Hausglucke geworden, Katja.
Und dann wagst du es noch, den Mund aufzumachen und Forderungen zu stellen?
Er kehrte zum Sessel zurück, nahm die Tasse Tee, trank einen Schluck und verzog das Gesicht.
— Du hast keinen Zucker hineingetan.
Wie immer.
Nicht einmal so eine Kleinigkeit kannst du dir merken.
Worüber soll man mit dir überhaupt noch reden?
Jekaterina stand mitten im Zimmer und fühlte sich bespuckt.
Sie wollte schreien, Möbel zerschlagen, ihm die Augen auskratzen, aber ihr Körper war wie gelähmt vor Ohnmacht.
— Heißt das, Geld für Jacken gibst du nicht? — fragte sie mit toter Stimme.
— Verdien es dir, — warf er hin und griff wieder nach dem Tablet.
— Oder verkauf irgendetwas Unnötiges.
Obwohl alles Wertvolle in diesem Haus von mir gekauft wurde, also hast du nichts zu verkaufen.
Löse deine Probleme selbst, wenn du so „unabhängig“ und „berufstätig“ bist.
Ich bin raus.
Im Zimmer breitete sich Stille aus, nur unterbrochen vom Geräusch seiner Finger auf dem Bildschirm.
Es war der Klang völliger, totaler Gleichgültigkeit.
Roman strich sie aus der Gleichung, sobald das Gespräch für ihn unbequem wurde.
Wieder war er Herr seines Lebens, und sie nur eine lästige Störung, eine summende Fliege, die man nicht einmal erschlagen wollte, sondern lieber wegwedelte.
Aber Jekaterina konnte nicht mehr einfach in die Küche verschwinden.
Tief in ihr begann sich eine dunkle, heiße Welle zu erheben, die die letzten Reste von Angst und Vernunft mit sich riss.
Jekaterina ging in die Küche zurück, nicht weil sie dort etwas zu tun hatte, sondern weil ihre Beine sie von selbst in ihren gewohnten Zufluchtsort trugen.
Hier, zwischen Töpfen und dem Geruch von Spülmittel, fühlte sie sich wenigstens einigermaßen sicher, als stünde sie hinter Barrikaden.
Sie trat an die Spüle, drehte das Wasser voll auf und hielt die Hände unter den eisigen Strahl.
Die Kälte ernüchterte ein wenig, doch die Glut der Erniedrigung, die in ihrer Brust brannte, ließ nicht nach.
In ihrem Kopf hämmerte nur ein Gedanke: „Wie sind wir nur so weit gekommen?
Und wie soll ich den Kindern sagen, dass sie in alten Jacken herumlaufen müssen, weil Papa beschlossen hat, Mama eine Lektion zu erteilen?“
Hinter ihrem Rücken waren schwere Schritte zu hören.
Roman ließ sie nicht in Ruhe.
Es reichte ihm nicht, den Streit zu gewinnen, er musste den besiegten Gegner vernichten, ihn zertreten, damit nie wieder auch nur der Gedanke an Aufstand aufkam.
— Du hast keinen Zucker hineingetan, — sagte er, als er die Küche betrat.
In seiner Stimme lag träge Verachtung.
— Und tu nicht so, als wärst du taub.
Ich rede mit dir.
Jekaterina drehte den Wasserhahn zu.
Langsam trocknete sie die Hände an einem Küchentuch ab — schwer, aus Waffelstoff, völlig durchnässt vom Abwasch des ganzen Geschirrbergs.
Sie ballte es in der Faust und spürte, wie der nasse Stoff ihre Hand kühlte.
— Der Zucker ist in der Zuckerdose, Roma.
Hände hast du, — antwortete sie leise, ohne sich umzudrehen.
— Dreh dich um, wenn ich mit dir rede! — brüllte er.
— Was ist das für eine Manier, mit dem Rücken zu mir zu stehen?
Ich glaube, ich habe mich deutlich über deinen Platz in dieser Nahrungskette ausgedrückt.
Du lebst auf meine Kosten, du isst mein Brot, also hab gefälligst den Respekt, den anzusehen, der dich ernährt.
Jekaterina fuhr scharf herum.
Ihr Gesicht war bleich, ihre Lippen zitterten, aber in ihren Augen stand etwas Dunkles und Unheimliches, das Roman in seiner Selbstzufriedenheit einfach nicht bemerkte.
— Ich bin die Mutter deiner Kinder, — sagte sie fest.
— Ich bin keine Mitesserin.
Und ich werde nicht zulassen, dass du sie wegen deiner Ambitionen quälst.
Wenn du kein Geld für Kleidung gibst, werde ich es mir leihen.
Ich nehme einen Kredit auf.
Aber ich werde mich nicht erniedrigen.
Roman brach in schallendes Gelächter aus.
Er lachte ehrlich, warf den Kopf in den Nacken, als hätte er den besten Witz des Jahres gehört.
— Einen Kredit?
Du?
Nicht mal einen Mikrokredit werden sie dir mit deinem lächerlichen Gehalt und deiner Kreditgeschichte geben, die du dir mit den Verspätungen auf deiner Kreditkarte ruiniert hast.
Du bist nichts ohne mich, Katja.
Ein leerer Platz.
Null.
Er griff in die Tasche seiner Jogginghose und zog seine Brieftasche heraus.
Dick, aus Leder, prall gefüllt mit Scheinen.
Langsam, mit Genuss, zog er mehrere orangefarbene Fünftausender heraus.
Das Knirschen des frischen Papiers klang in der Stille der Küche ohrenbetäubend.
— Du brauchst Geld? — fragte er leise und trat dicht an sie heran.
— Willst du wirklich so sehr Geld?
Dann nimm es doch.
Ich bin doch großzügig.
Ich bin doch der Ernährer.
Er holte aus und schleuderte die zerknüllten Scheine mit voller Wucht direkt in ihr Gesicht.
Das Papier peitschte schmerzhaft über ihre Wange, traf ihre Nase und verteilte sich über den schmutzigen Boden, fiel in die Wasserlachen an der Spüle.
— Hier, kauf dir Verstand! — schrie er, und sein Gesicht verzerrte sich zu einer hasserfüllten Grimasse.
— Vielleicht begreifst du dann endlich, wer hier der Herr im Haus ist!
Heb sie auf und sag danke!
Krabbel herum und sammle sie ein, du armselige Bettlerin!
Die Zeit blieb stehen.
Jekaterina sah auf einen Schein, der langsam auf ihren Hausschuh hinabsank.
In ihren Ohren begann es zu klingeln, als wäre direkt neben ihr eine Granate explodiert.
„Kauf dir Verstand“.
„Krabbel“.
Etwas in ihr, das all die Jahre bis zum Äußersten gespannt gewesen war, riss mit einem lauten, klaren Klang.
Die Feder, die er jahrelang zusammengedrückt hatte, schnellte zurück.
Ein roter Schleier legte sich über ihre Augen.
Sie sah vor sich nicht mehr ihren Mann, den Vater ihrer Kinder.
Sie sah einen Feind.
Ein Monster, das sich von ihrem Schmerz nährte.
Jekaterina packte das nasse, schwere Handtuch fester und drehte es wie einen Strick.
— Bestie… — stieß sie aus.
Und bevor Roman überhaupt begreifen konnte, was geschah, holte sie aus und peitschte ihm mit der ganzen Wucht ihres Hasses, ihres Schmerzes über jede ungebetene Träne, das Handtuch ins Gesicht.
Der schwere nasse Stoff traf ihn mit einem Geräusch, das einem Schuss ähnelte.
Der Schlag traf seine Augen und seine Nase.
Roman heulte auf, griff sich mit beiden Händen ins Gesicht und taumelte zurück, wobei er mit dem Oberschenkel gegen den Tisch stieß.
— Bist du völlig ver… — begann er, kam aber nicht zu Ende.
Jekaterina trat einen Schritt nach vorn.
Sie handelte wie in Trance.
Der zweite Schlag traf Hals und Ohr.
Der nasse Stoff brannte auf der Haut wie Brennnesseln und hinterließ purpurrote Streifen.
— Wag es nicht! — kreischte Roman und versuchte, sich mit den Händen zu schützen.
— Ich bringe dich um!
— Halt den Mund!
Halt den Mund!
Halt den Mund! — schrie sie zurück.
Es war nicht mehr ihre Stimme.
Es war die Stimme eines in die Enge getriebenen Tieres.
Sie schlug auf ihn ein, gleichmäßig, außer sich.
Auf die Arme, mit denen er den Kopf schützte, auf die Schultern, auf den Rücken, als er sich wegdrehen wollte.
Wassertropfen aus dem Handtuch spritzten in alle Richtungen und mischten sich mit seinem Speichel und ihren Tränen, die ihr endlich aus den Augen schossen.
— Das ist für „Bettlerin“!
Das ist für „Glucke“! — stieß sie bei jedem Schlag hervor, während ihr Atem heiser wurde.
— Dafür, dass du mich zerstört hast!
Ich hasse dich!
Ich hasse dich!
Roman, der nur an seelische Gewalt gewöhnt war, war auf körperlichen Widerstand überhaupt nicht vorbereitet.
Er war größer und stärker, aber die Wut seiner Frau war so konzentriert und so unerwartet, dass er die Fassung verlor.
Er wich zurück und stolperte über seine eigenen Füße, bis er mit dem Rücken an den Kühlschrank stieß.
— Katja, stopp!
Du bist krank!
Stopp! — schrie er, als ihn ein weiterer peitschender Schlag mit dem nassen Knoten am Unterarm traf.
— Ich bin krank?!
Ich?! — Sie hielt für eine Sekunde inne und atmete schwer, das Haar klebte ihr an der verschwitzten Stirn, ihr Brustkorb hob und senkte sich heftig.
— Ja, ich bin krank, weil ich mit dir gelebt habe!
Weil ich das alles ertragen habe!
Sie holte erneut aus, und Roman duckte sich instinktiv, schützte den Kopf mit den Händen und presste sich gegen das weiße Metall des Kühlschranks.
Er sah erbärmlich aus.
All sein Hochmut, all seine Größe als „Herr des Lebens“ war mit der Brille verschwunden, die irgendwo unter dem Tisch lag.
Vor ihr stand nur noch ein verängstigter, von einem nassen Lappen verprügelter Mann im T-Shirt.
Jekaterina ließ die Hand sinken.
Das Handtuch klatschte auf den Boden, in eine Pfütze, neben die verstreuten Fünftausender.
Sie sah ihren Mann an und erkannte ihn nicht wieder.
Sich selbst erkannte sie auch nicht.
Ihre Hände zitterten fein, in den Schläfen pochte es, aber in ihrer Brust wurde es plötzlich leer und hell.
Die Angst war verschwunden.
Das Adrenalin hatte sie weggebrannt.
— Komm mir nicht zu nahe, — zischte Roman und nahm die Hände vom Gesicht.
Auf seiner Wange schwoll bereits eine hellrote Strieme an, sein Auge begann zuzuschwellen.
Er sah sie mit einer wilden Mischung aus Angst und Hass an.
— Dafür wirst du bezahlen.
Ich mache dich fertig.
Du wirst ohne mein Geld unter irgendeinem Zaun verrecken.
Jekaterina stieg schweigend über die herumliegenden Scheine hinweg.
Sie trat auf einen davon, hinterließ einen nassen Abdruck ihres Hausschuhs darauf und sah nicht einmal nach unten.
— Ich gehe, — sagte sie leise, doch dieses Flüstern klang lauter als all ihre Schreie zuvor.
— Sofort.
— Hau ab! — schrie er ihr hinterher, spürte, dass die Gefahr vorüber war, und versuchte, sich wenigstens ein wenig Würde zurückzuholen.
— Wie weit kommst du schon?
Zu deiner Mama in die Chruschtschowka?
Mit zwei Anhängseln?
Ich werde dir die Kinder wegnehmen, du wirst sie nie wiedersehen!
Jekaterina blieb in der Küchentür stehen.
Langsam drehte sie den Kopf.
— Versuch es nur, — sagte sie in eiskaltem Ton.
— Versuch nur, uns nahezukommen.
Ich lasse meine Verletzungen dokumentieren.
Ich erzähle all deinen Geschäftspartnern, was für ein „Fundament“ du bist.
Ich mache dir eine Hölle, Roma, dass du bereuen wirst, diesen verdammten Joghurt nicht selbst gekauft zu haben.
Sie ging in den Flur hinaus und ließ ihn allein in der verwüsteten Küche zurück, zwischen verstreutem Geld, das jetzt nur noch buntes Papier war, das nichts mehr wert schien angesichts dessen, was gerade endgültig zerbrochen war.
Jekaterina stürmte ins Kinderzimmer und knipste mit einem Ruck das Licht an.
Das Licht traf die Augen, riss verstreute Spielsachen und die schlafenden Gestalten der Kinder aus der Dunkelheit.
Sie handelte wie ein Soldat beim Alarm — klar, schnell, ohne überflüssige Bewegungen, obwohl ihre Hände nach der Prügelei noch immer leicht zitterten.
— Mischa, Lena, aufstehen! — befahl sie laut und zog ihrem Sohn die Decke weg.
— Schnell aufstehen.
Wir fahren weg.
Mischa setzte sich blinzelnd im Bett auf und verstand gar nichts.
Lena jammerte und zog die Decke wieder über den Kopf.
— Mama, was ist denn…
Morgen ist doch Schule… — murmelte der Sohn verschlafen.
— Du gehst nicht zur Schule.
Steh auf, habe ich gesagt!
Zieh dich an, nimm alles, was du an warmen Sachen siehst.
Jeans, Pullover, Socken.
Schnell!
Jekaterina schoss zum Schrank und riss Berge von Kleidung heraus.
Sie faltete die Sachen nicht ordentlich, sondern stopfte sie einfach in eine große Sporttasche, die sie vom Zwischenboden geholt hatte.
Dazu flogen auch die Dokumente hinein: Pässe, Geburtsurkunden, Krankenversicherungskarten.
Das war das Wichtigste.
Alles andere war ersetzbar.
Im Türrahmen erschien Roman.
Er hielt sich einen Beutel mit gefrorenen Erbsen ans Gesicht, den er aus dem Tiefkühlfach geholt hatte.
Sein linkes Auge begann bereits zuzuschwellen, und an seinem Hals zeichneten sich purpurrote Striemen von den Schlägen ab.
Er sah zerknittert aus, aber in seiner Haltung steckte noch immer derselbe Hochmut, den nicht einmal ein nasses Handtuch aus ihm herausprügeln konnte.
Er versuchte nicht, sie körperlich aufzuhalten — sein Stolz erlaubte es ihm nicht, sich an einer „Irren“ die Hände schmutzig zu machen —, aber mit seinem Körper versperrte er den Durchgang.
— Hast du dieses Theater veranstaltet, um mich einzuschüchtern? — fragte er und verzog den Mund.
— Glaubst du, ich renne dir hinterher und flehe dich an zu bleiben?
Katja, du bist lächerlich.
Wohin willst du um diese Uhrzeit gehen?
Zu deiner Mutter in die Zweizimmerwohnung, in der es nach Mottenkugeln und Alter riecht?
Da kann man sich ja kaum umdrehen.
Jekaterina antwortete nicht.
Sie zog der schläfrigen, schlaffen Lena Strumpfhosen an und hob ihre Tochter dabei beinahe ruckartig vom Bett.
— Au, Mama, das tut weh! — piepste das Mädchen.
— Halt es aus.
Gleich gehen wir, und dann wird alles gut, — warf Katja kurz hin und knöpfte ihrer Tochter die Jacke am falschen Knopfloch zu.
— Du traumatisierst die Kinder, — bemerkte Roman philosophisch und lehnte sich mit der Schulter an den Türrahmen.
— Du schleppst sie in die Nacht, in die Kälte, nimmst ihnen den Komfort.
Und alles nur wegen deiner Hysterie.
Weil du deine Schuld nicht eingestehen konntest.
Du bist egoistisch, Katja.
Du denkst nur an deinen verletzten Stolz, nicht an das Wohl der Familie.
Jekaterina richtete sich auf.
Die Tasche war bis zum Rand vollgestopft.
Die Kinder standen angezogen da und blickten erschrocken vom Vater mit dem blauen Auge zur aufgewühlten Mutter.
— Mischa, nimm Lena an die Hand und geht in den Flur.
Zieht euch die Schuhe an.
Sofort, — befahl sie.
Die Kinder huschten, spürend, dass etwas Schreckliches und Unumkehrbares geschah, am Vater vorbei.
Roman sah sie nicht einmal an.
Sein Blick war auf seine Frau geheftet.
— Du verstehst doch, dass es dann keinen Weg zurück mehr gibt? — sagte er, als die Kinder draußen waren.
— Wenn du jetzt über diese Schwelle gehst, lasse ich die Schlösser austauschen.
Schon morgen.
Du wirst hier nie wieder eintreten.
Du wirst auf der Straße stehen, ohne einen Kopeken.
In einer Woche kriechst du zu mir zurück, wenn dir das Geld fürs Essen ausgegangen ist, aber ich lasse dich nicht herein.
Ich vernichte dich juristisch, ich nehme dir die Kinder weg, weil du keine Bedingungen hast, um sie zu versorgen.
Jekaterina zog den Reißverschluss der Tasche mit einem Geräusch zu, das klang, als hätte man den Hahn einer Waffe gespannt.
Sie trat dicht an Roman heran.
In ihren Augen war keine Angst mehr, nur kalte, kristallklare Klarheit.
Vor ihr stand nicht mehr ihr Mann, sondern ein fremder, widerlicher Mensch, mit dem sie durch irgendeinen monströsen Irrtum so viele Jahre gelebt hatte.
— Du glaubst immer noch, man könne mich mit Geld kaufen oder einschüchtern? — fragte sie leise.
— Du bist so armselig, Roma, dass du selbst jetzt, wo die Familie zerbricht, nur von Geld redest.
Sie schob ihn mit der Schulter zur Seite und ging in den Flur.
Roman taumelte leicht, fing sich aber wieder.
Er ging ihr nach und redete weiter.
— Ja, weil du ohne mein Geld null bist!
Du bist niemand!
Sieh dich doch an — alter Mantel, billige Stiefel.
Alles Anständige, was du am Leib trägst, habe ich gekauft!
Du solltest mir die Füße küssen für das Leben, das ich dir ermöglicht habe, und stattdessen probst du hier den Aufstand auf dem Schiff!
Im Flur hatten die Kinder sich bereits irgendwie ihre Jacken angezogen und drängten sich an die Wohnungstür.
Jekaterina warf sich die Daunenjacke über, schob die Füße in die Stiefel, ohne sie überhaupt zu schnüren.
Sie griff nach der Tasche, deren Gewicht angenehm an ihrer Schulter zog — es war das Gewicht der Freiheit.
Roman stand im Durchgang zum Wohnzimmer und umklammerte noch immer den Erbsenbeutel, von dem Kondenswassertropfen herabliefen.
— Na los, hau ab! — schrie er, als er sah, wie sie die Klinke ergriff.
— Geh betteln!
Aber rechne bloß nicht mit Unterhalt, ich mache es so, dass ich offiziell nur ein paar Groschen verdiene.
Du wirst verhungern!
Jekaterina erstarrte.
Ihre Hand umklammerte die Türklinke so fest, dass die Knöchel weiß wurden.
Langsam drehte sie sich zu ihrem Mann um.
In diesem Moment schleuderte sie alles heraus, was sich über Jahre in ihr angesammelt hatte, alles, was sie nie zu sagen gewagt hatte.
— Du hast gesagt, mein Gehalt sei zum Heulen und ich würde dir auf der Tasche liegen?
Ich stemme den ganzen Haushalt, die Kinder und die Arbeit, und du kommandierst nur herum!
Nimm dein Geld und erstick daran!
Wir gehen!
Sie schleuderte den Schlüsselbund der Wohnung auf die Kommode.
Das Klirren von Metall auf Holz klang wie ein letzter Gong.
— Erstick an deinem Komfort, an deinem Joghurt und an deiner Wohnung!
Leb hier allein weiter und verrotte in deiner Großartigkeit!
Und wir werden zurechtkommen.
Wir werden überleben.
Aber du wirst ohne deine „Bedienung“ an deiner eigenen Galle ersticken!
Roman öffnete den Mund, um etwas zu sagen, um sie wieder zu erniedrigen, wieder zu verletzen, doch er kam nicht dazu.
Jekaterina riss die Tür auf.
Kälte und die Feuchtigkeit des Treppenhauses schlugen ihr ins Gesicht.
— Raus, — sagte sie zu den Kindern.
Sie traten auf den Treppenabsatz hinaus.
Jekaterina folgte ihnen als Letzte.
Sie sah sich nicht um.
Mit einem lauten Knall zog sie die schwere Metalltür hinter sich zu und schnitt die Vergangenheit ab.
Roman blieb im halbdunklen Flur stehen.
Die Stille fiel sofort über ihn her, dicht und wattig.
Irgendwo tief in der Wohnung tropfte Wasser aus dem Hahn, den Katja nicht ganz zugedreht hatte.
Auf dem Küchenboden lagen noch immer die aufgeweichten Fünftausender und das schmutzige Handtuch.
Seine Wange brannte unerträglich, aber noch mehr brannte etwas tief in seiner Brust, wo sich ein schwarzes Loch aus Einsamkeit ausbreitete, das er noch immer nicht anerkennen wollte.
Er trat gegen die Kommode, von der die Schlüssel seiner Frau zu Boden fielen, und schleuderte, stöhnend vor ohnmächtiger Wut, den Beutel mit den Erbsen gegen die Wand.
Der Beutel platzte, und grüne Erbsen rollten über das Parkett, verstreuten sich in der leeren, kalten Wohnung, in der er als unumschränkter Herr zurückgeblieben war…