Während die Mutter bei der Beerdigung ihres Sohnes stand, hörte sie plötzlich eine Stimme und rannte zum geschlossenen Sarg. Kaum hatte sie ihn geöffnet, schrie sie bei dem Anblick, den sie darin sah, und alle Anwesenden erstarrten… 😱😱😱😱
Der Herbstwind schnitt scharf durch die Luft, und kalter Regen fiel in kleinen Tropfen. Die Menschen, die auf den Friedhof gekommen waren, um sich von dem Verstorbenen zu verabschieden, zitterten und wickelten sich in Schals und Mantelkragen. Alle hatten nur einen Wunsch: dass alles so schnell wie möglich endete.
Nur die Mutter blieb am Sarg stehen. Sie bemerkte weder die Kälte noch den Regen. Der Schmerz zerriss sie von innen. Es schien, als würde ihr Herz vor Verzweiflung zerplatzen.

Tränen liefen über ihre eingefallenen, grauen Wangen und vermischten sich mit den Regentropfen. Von Zeit zu Zeit berührte sie ihr Gesicht mit einem nassen Taschentuch und blickte nur auf einen einzigen Punkt vor sich: den geschlossenen Deckel des Sarges. Dort drinnen lag ihr kleiner Junge, ihr einziges Kind, der Sinn ihres Lebens, der nicht mehr da war.
Und sie konnte ihn nicht ein letztes Mal sehen. Sie konnte seine geschlossenen Augen, seine Stirn und seine Wangen nicht küssen. Sie konnte seine Hände und Schultern nicht streicheln. Sie konnte nichts tun.
Der Sarg war hermetisch verschlossen. Man hatte ihr gesagt, dass es so sein müsse und dass es so besser sei. Aber war es jetzt wirklich besser? Das Leben war vorbei.
Neben der Mutter stand eine andere Frau, jung und schön. Überraschenderweise stand ihr die Trauerkleidung perfekt und betonte ihre zarten Gesichtszüge, wodurch sie eine gewisse aristokratische Blässe bekam. Manchmal wischte die Frau mit ihren schlanken Fingern Tränen fort und stieß tiefe Seufzer aus.
Und doch blickte sie nicht auf den Sarg. Ihr Blick war zum grauen Himmel gerichtet, während ihre leicht geschwollenen Lippen leise etwas flüsterten. Wahrscheinlich Abschiedsworte.
Die Menschen murmelten und fragten sich, wie eine so schöne Frau in so jungen Jahren Witwe werden konnte und wie ungerecht das war. Dann sagten sie sofort, es sei Zeit, die Zeremonie zu beenden, denn die Mutter, Katherine, könnte zusammenbrechen und zusammen mit ihrem Sohn ins Grab stürzen.
Doch Katherine hörte nichts und nahm nichts wahr. Sie erinnerte sich. Bilder aus der Vergangenheit blitzten wie ein Kaleidoskop in ihrem Kopf auf. Sie spürte weder den kalten Regen noch den Wind; nur Schmerz und Erinnerungen blieben.
Sie war erst 20 Jahre alt. Sie lief zu Michael, um ihm zu sagen, dass sie ein Baby bekommen würden, voller Freude und Glück. Es war der Beginn des Frühlings. Unter ihren Füßen bildeten sich Pfützen, und die Sonne schien von Zeit zu Zeit.

Katherine schloss die Augen und lächelte. Sie würde dort ankommen, ihrem Geliebten alles erzählen, er würde sie in seine Arme nehmen, und gemeinsam würden sie zum Rathaus laufen, um ihren Antrag einzureichen. Es konnte gar nicht anders sein, denn Michael liebte sie so sehr.
Doch die Tür seiner Wohnung wurde von einem anderen Mädchen geöffnet, das Michaels Hemd trug. Katherine sagte nichts und machte einen Schritt zurück. Michael erschien hinter dem Mädchen und schenkte ihr ein spöttisches Lächeln.
Das Mädchen lächelte verächtlich und sah Katherine an. Sie erinnerte sich nicht mehr daran, wie sie geflohen war. Sie wachte im Studentenwohnheim auf.
Die Mädchen umringten sie, trösteten sie und sagten ihr, dass Michael bestimmt zurückkommen würde, um sich zu entschuldigen. Aber er kam nicht zurück. Später erfuhr Katherine, dass Michael dieses Mädchen geheiratet hatte.
Katherine kehrte nach Hause zu ihrer Mutter zurück. Dort wurde ihr Aiden geboren — ihre kleine Sonne, ihr Licht. Katherine war ihrer Mutter zutiefst dankbar für ihre Unterstützung und dafür, dass sie sie trotz der Urteile anderer Menschen nicht verstoßen hatte.
Denn es galt als Schande, dass ihre Tochter schwanger geworden war, bevor sie ihr Studium beendet hatte, und die Schule verlassen hatte. Aber ihre Mutter, eine starke Frau, brachte das Gerede zum Schweigen. Die Menschen behandelten sie mit Respekt, wenn sie sie sahen, denn Martha Wilson war keine gewöhnliche Person; sie war die Vorsitzende des Stadtrats.
Da sie selbst schon als junge Frau Witwe geworden war, wusste sie, wie schwer das Leben sein konnte, aber sie unterstützte ihre Tochter immer und sagte ihr, dass sie noch glücklich werden würde. Aber welches größere Glück brauchte Katherine, wenn sie bereits alles hatte, was sie wollte: ihren kleinen Sohn, den Sinn ihres Lebens?

Später, als Aiden älter wurde und in den Kindergarten kam, beendete Katherine ihr Studium und begann an einer Schule zu arbeiten.
Mit der Zeit verstanden die Dorfbewohner, dass Katherine nicht zu diesen leichtsinnigen Mädchen gehörte. Sie war ernsthaft, intelligent, eine gute Mutter — sie hatte einfach nur einen Fehler gemacht. Das war alles.
So etwas passiert. Viele gute Männer kamen, um um ihre Hand anzuhalten, aber Katherine nahm keinen von ihnen an. Wer würde schon das Kind eines anderen wollen? Sie war sich sicher: niemand.
Sie hatte Angst, dass ein fremder Mann ihrem Kind wehtun könnte. Nein, das war es nicht wert…